„Die Frau hat sich zur Giftmörderin ihres Kindes gemacht.“
Die Strategien der christlichen Anti-Abtreibungs-Szene

Mit oben stehenden Worten beschreibt die Ärztin und christliche Abtreibungsgegnerin Angelika Pokropp-Hippen den Vorgang des Schwangerschaftsabbruchs. Während des geplanten evangelikalen „6. Kongresses für Psychotherapie und Seelsorge“ in den Räumen der Stadt und Universität Marburg soll sie auftreten als Expertin für das „Post-Abortion-Syndrome“ (PAS) und sonstigen höheren Unsinn.
Das „PAS“ bezeichnet eine angebliche posttraumatische Störung nach einem Schwangerschaftsabbruch, die wissenschaftlich nicht belegt ist. Gleichwohl wird sie von christlich-fundamentalistischen Abtreibungsgegner_innen benutzt, um ein konsequenteres Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen zu fordern.
In ihrem Vortrag wird die Berliner Autorin und Filmemacherin Sarah Diehl einen Überblick über die christliche Anti-Abtreibungs-Szene geben und ihre politischen und diskursiven Strategien vorstellen. Mythen wie das „PAS“ sollen einer näheren Betrachtung unterzogen werden und auf ihren Realitätsgehalt sowie ihre politische Funktion befragt werden.
Im Anschluss an Vortrag und Diskussion wird Sarah Diehl ihren neu erschienen Film „Abortion Democracy – Poland/South Africa“ vorstellen.

Vortrag, Diskussion und Filmvorführung mit Sarah Diehl
Donnerstag, 14.05.2009
Beginn: 19:00 Uhr
Ort: Havanna 8 (Lahntor 2)

Film
Mit ihrem Film „abortion democracy“ wirft die Berliner Autorin und Filmemacherin Sarah Diehl einen Blick auf die Veränderungen im Abtreibungsrecht in Polen und Südafrika und untersucht die Auswirkungen, die diese Gesetze auf das Leben von Frauen in diesen Ländern haben. Während in Polen unter der Solidarnosc Regierung zu Beginn der 90er Jahre durch den Einfluss der katholischen Kirche Abtreibung verboten wurde, wurden sie im gleichen Zeitraum in Südafrika im Zuge der Reformation des Gesundheitssystems legalisiert. Trotzdem ist es in Südafrika aber immer noch schwierig für Frauen, Zugang zu Informationen und sicheren Eingriffen zu bekommen, weil die Mentalität des Gesundheitspersonals in den Krankenhäusern nach wie vor konservativ und wertend ist und die Gesundheitsversorgung allgemein sehr schlecht ist.
Trotz des Abtreibungsverbots ist in Polen der Zugang zu illegalen Abtreibungsmöglichkeiten zwar relativ gut. Die gesellschaftliche Stigmatisierung und die ökonomische Ausbeutung von Frauen, die sich trotzdem für eine Abtreibung entscheiden, nimmt aber immer mehr zu. Die internationalen Zahlen zeigen, dass Illegalisierung nicht dazu führt, dass weniger abgetrieben wird, denn der soziale und ökonomische Druck einer ungewollten Schwangerschaft ist zu groß. Es bedeutet nur, dass mehr Frauen bei illegalen Abtreibungen ihr Leben riskieren und finanziell ausgebeutet werden. Laut der WHO stirbt alle sieben Minuten eine Frau an den Folgen einer illegalen Abtreibung.
Nur ein fundamentaler Wandel der Einstellung zu Abtreibung und Verhütung kann sicherstellen, dass Frauen tatsächlich die Möglichkeit haben, sich für oder gegen eine Schwangerschaft zu entscheiden.
Wenn Ärzte sich aus moralischen Gründen weigern, den Eingriff durchzuführen oder die Pille herauszugeben, hilft auch eine gesetzliche Legalität des Abbruchs nicht.
Weitere Infos zum Film unter www.abortion-democracy.de

[Flyer]