Zur Hölle mit dem Abtreibungsverbot!
Redebeitrag des ak linker feminismus aus Berlin

Abtreibung ist kein Thema von gestern
Anfang der 1970er Jahre setzten sich Frauen in der BRD für die Abschaffung des § 218 ein, nach dem Abtreibung grundsätzlich strafbar war. Sie erkämpften einen Teilerfolg, der in einer Indikationsregelung bestand. Unter bestimmten Umständen blieb danach ein Schwangerschaftsabbruch zwar rechtswidrig, aber straffrei. Diese Regelung wurde in den 90ern nochmals modifiziert und verschlechterte die Situation für die Frauen der Ex-DDR, die nun für einen Schwangerschaftsabbruch eine formale Erlaubnis brauchten.
Das Entscheidende: die Entmündigung und Bevormundung von Frauen blieb erhalten. In Zwangsberatungen müssen sie über ihre Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft Rechenschaft ablegen. Ein Recht auf Schwangerschaftsabbruch gibt es nicht. Die Indikationsregelung sieht nicht vor, dass Frauen keine Kinder wollen.
Ungewollte Schwangerschaften wird es immer geben. Da Abtreibungen immer und unter allen Umständen stattfanden und -finden, geht es im Streit um den § 218 nicht darum, ob, sondern wie abgetrieben wird. In Ländern mit sehr restriktiver Gesetzgebung finden diese unter schlechten medizinischen und hygienischen Bedingungen statt. Weltweit stirbt alle 8 Minuten eine Frau an einer illegalen, unsicheren Abtreibung.

Moderne Reaktionäre
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind die Abtreibungsgegner_innen – und dazu gehören auch die heute hier versammelten Evangelikalen – in der ganzen Welt in der Offensive. Längst kämpfen sie wieder erfolgreich um Einfluss in Politik und Gesellschaft. Sie arbeiten daran, den Zugang zu und das Recht auf legale Schwangerschaftsabbrüche abzubauen. In der BRD wurde erst im April eine Wartezeit von drei Tagen zwischen Diagnose und Abtreibung im Falle einer medizinischen Indikation eingeführt, angeblich um die Zahl der Spätabtreibungen zu verringern.
Abtreibungsgegner_innen setzen sich weniger für die Verbesserung der Lebensbedingungen lebender Kinder ein als vielmehr dafür, dass ungewollte Schwangerschaften auch gegen den Willen der Schwangeren ausgetragen werden.
Die Abtreibungsgegner_innen leisten mit ihrer Politik einen Beitrag zur Stabilisierung von unhaltbaren Verhältnissen, in denen Frauen die Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft entzogen wird und gleichzeitig Reproduktionsfragen zu ihrer Privatsache erklärt werden. Wer sie einfach als skurrile Randerscheinung abtut, übersieht, dass ihre Moralvorstellungen gesellschaftliche Relevanz haben. Sie propagieren ein „Zurück an den Herd“ in modernem Gewand. So sprechen Abtreibungsgegner_innen Bedürfnisse nach Sicherheit, Orientierung und Anerkennung in einer verunsichernden Gegenwart an – sowohl von Frauen als auch von Männern.
„Das Leben“, um das es ihnen geht, ist nicht das konkrete Leben der Leute im Hier und Jetzt, sondern so absolut wie der liebe Gott im Himmel. Allerdings ist ein Embryo kein Individuum und kein soziales Wesen, dem man Rechte zusprechen könnte, zu dessen Anwalt man sich machen kann. Doch genau das ist es, was die Abtreibungsgegner_innen tun.
Diese Propaganda dient vor allem dazu, eine vermeintlich natürliche, göttlich vorgeschriebene Ordnung zu propagieren, in deren Zentrum die patriarchale, heterosexuelle Kleinfamilie steht und damit herrschende Reproduktions- und Gesellschaftsverhältnisse zu stabilisieren.

Selbstbestimmung? Aber nicht nur über den eigenen Bauch!
Frauen und Transmenschen sollen selbst bestimmen können, ob sie eine Schwangerschaft austragen wollen oder nicht. Abtreibungsgegner_innen, Politiker_innen, Richter_innen, Mediziner_innen und Expert_innen wollen verfügen, was Recht und Moral, was gesund und normal ist. Sie maßen sich an, über Körper, Fruchtbarkeit, Sexualität und Beziehungen zu bestimmen. Sie reden vom Leben und meinen die menschliche Ressource. Sie behaupten, „das Leben“ zu schützen und gönnen keine_r, ihr_sein Leben selbst zu gestalten und zu genießen.
Unter den geltenden Abtreibungsregelungen wird Frauen Selbstbestimmung einerseits verweigert, andererseits wird sie ihnen regelrecht aufgezwungen. Die Kriterien, nach denen sie sich selbst bestimmen sollen, finden wir zum Kotzen. In Eigenverantwortung haben die Mütter ihrem Kind nicht nur ein bildungsnahes Milieu und damit optimale Wettbewerbsvoraussetzungen zu bieten, sondern auch einen liebevollen Papi, dessen Einkommen circa 25 % höher ist als ihr eigenes. Das sind die Kriterien der kapitalistischen Verwertungslogik.

Delete capitalism, Patriarchat und Evangelikale abschaffen!
Viel Spaß noch auf der Demo!

ak linker feminismus