4. Pressemitteilung

„Homophobie macht krank“
Bündnis fordert Absage des 6. Internationalen Kongresses für Psychotheraphie und Seelsorge

Vom 20.-24. Mai wollen konservative evangelikale Christen in Marburg einen Kongress für „Psychotherapie und Seelsorge“ veranstalten. Dieser soll in Räumen der Stadt und der Universität Marburg stattfinden. ReferentInnen sind unter anderem TherapeutInnen, die sich für eine ‚Heilung‘ Homosexueller aussprechen. Um gegen den Kongress zu protestieren, hat sich unter dem Titel „Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus“ ein breites regionales Bündnis zusammengeschlossen. Es fordert Stadt und Universität auf, dem Kongress keine Räume zur Verfügung zu stellen. Den VeranstalterInnen des Kongresses wirft es Homophobie vor. Darunter versteht man laut der Antidiskriminierungsstelle Wien „die irrationale, weil sachlich durch nichts zu begründende Angst vor homosexuellen Menschen und ihren Lebensweisen. Homophobie fasst die verschiedenen Formen von sozialer Ausgrenzung, Diskriminierung, Nichtwahrnehmung und Gewalt zusammen, mit denen Menschen oftmals aufgrund ihrer homosexuellen Lebensweise konfrontiert sind.“

„Homophobie – und dazu gehört auch eine Heilung oder Umpolung Homosexueller – macht krank. Homophobe Einstellungen im sozialen Umfeld sind wesentliche Ursache von Konflikten mit der eigenen homosexuellen Identität. Versuche einer Therapie verstärken den Druck auf die PatientInnen – mit fatalen Konsequenzen“, erklärt Nora Nebenberg, Sprecherin des Bündnisses. Sie verweist dazu auf eine aktuelle Studie des University College London, die auf einer TherapeutInnenbefragung basiert. „Die Studie zeigt vier wichtige Probleme auf“, so Nebenberg weiter, „Erstens, dass es immer noch TherapeutInnen gibt, die eine Therapie von Homosexualität anstreben. Zweitens, dass Konflikte mit dem sozialen Umfeld die Hauptursache für Probleme mit der eigenen Homosexualität sind. Drittens, dass eine Therapie meist aufgrund einer Verunsicherung der PatientInnen über ihre sexuelle Orientierung erfolgt. Ein expliziter Wunsch, diese zu ändern, besteht in der Regel nicht. Aufgrund dessen ist viertens eine Therapie, die Heterosexualität zum Ziel hat, als eine Form sozialer Diskriminierung zu werten, die den psychischen Stress der PatientInnen verstärkt.“

Während die Stadt und das Präsidium der Universität Marburg keinen Grund zur Absage des Kongresses sehen, betont Nebenberg: „Homophobie ist menschenverachtendes Denken – und hat als solches in einer Universität und anderen öffentlichen Räumen nichts verloren. Homosexualität ist weder krankhaft noch einer Therapie zugänglich. Der wissenschaftliche Mainstream hat das schon vor 30 Jahren erkannt – die Evangelikalen offenbar immer noch nicht. Auf dem Kongress werden sie unter dem Deckmantel von Wissenschafts- und Meinungsfreiheit reaktionäre pseudowissenschaftliche und diskriminierende Positionen verbreiten.“ Unterstützung erhält Nebenberg unter anderem vom Präsidenten der FH Frankfurt, der sich in einer Pressemitteilung gegen „homophobe Beiträge“ im Rahmen des Kongresses ausspricht.

Auch der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, kritisiert die VeranstalterInnen. Er plädiert dafür, drei Workshops im Rahmen des Kongresses abzusagen. Dem Bündnis „Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus“ ist das zu wenig. „Unser Protest richtet sich explizit gegen den Kongress als ganzen. Nicht drei Seminare oder ReferentInnen sind das Problem, sondern die homophobe Grundausrichtung der evangelikalen Bewegung. Statt religiös-fundamentalistischen Positionen eine Bühne zu bieten, sollten Stadt und Universität sich für Gleichberechtigung und die Bekämpfung von Homophobie einsetzen“, fordert Nebenberg.

Die Definition von Homophobie kann eingesehen werden unter:
http://www.magwien.gv.at/queerwien/phob.htm

Die zitierte Studie ist zugänglich unter:
http://www.biomedcentral.com/1471-244X/9/11

Die Pressemitteilung des AStA der FH Frankfurt findet sich unter:
http://www.asta-fh-frankfurt.de/index.php?option=com_content&task=view&id=138&Itemid=1