Pressemitteilung: Kein Raum für Homophobie, Sexismus und religiösen Fundamentalismus!

Gegen die Jahrestagung der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge.

Die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) gastiert am Wochenende des 27.-28. April 2018 im Konferenzzentrum der Evangelischen Hochschule Tabor anlässlich ihrer Jahrestagung mit dem Motto „Vorbilder! Orientierung oder Verführung?“. Die APS gibt sich als Organisation mit dem „Zweck, Begegnungen zwischen Psychotherapie und christlicher Seelsorge in Wissenschaft und Praxis zu fördern“1 . Unter diesem Leitbild organisiert sie in regelmäßigen Abständen Kongresse, veranstaltet eine jährliche Tagung, und ist Herausgeberin der Zeitschrift „P & S – Magazin für Psychotherapie und Seelsorge.“ Im Jahr 2009 wurde die Stadt Marburg zum Austragungsort eines Kongresses2 der Organisation. Unter dem Motto „Begegnung zwischen Psychotherapie und Seelsorge in Wissenschaft und Praxis“ wurde dazu geladen, sich insbesondere mit den Themen der Sexualität und der sexuellen Orientierung auseinanderzusetzen. Mit dabei waren auch Redner und Gruppen, die für „Konversionstherapien“3 , also die „Heilung“4 von Homosexuellen warb.

Neun Jahre später sind es die gleichen Strukturen, die zur Jahrestagung laden. In gewohnter Manier sind dazu Redner*innen eingeplant, deren menschenverachtende Ideologie einige von ihnen nur schwer zu verbergen wissen. So wird am Freitagabend der Theologe Dr. Michael Rhode sprechen. Rhode ließ sich bei einer Geprächsrunde im Rahmen eines „Kirchentages“ im Jahr 2009 etwa zu folgendem aus: „Sex ist von Gott vorgesehen für einen Mann und eine Frau,
die sich versprochen seien (…) Wenn eine Ehe scheitert, ist das eine Sünde. (…) Homosexualität ist eine Disposition, die ich mit dem Willen steuern kann.” Weiter sagt er: „Sex ohne Bindung zum Partner lässt sich nicht mit dem christlichen Glauben5 vereinbaren, (…) auch Sado-Maso-Sex ist eine Fehlform”6 . Auf die Frage, was geschehe, wenn sein Sohn homosexuell sei, postulierte er, dass das aufgrund seiner Prägung wohl unwahrscheinlich sei.

Personell wie auch strukturell ist die APS innerhalb christlich-fundamentalistischer Zusammenhänge bestens vernetzt. So werden ihr Vorsitzender, Dr. Martin Grabe, sowie der Theologe und Therapeut Martin Drogat, von der „Stiftung Therapeutische Seelsorge“ als Dozenten aufgeführt. Die „Stiftung Therapeutische Seelsorge“ ist eine Tochterorganisation der Organisation „Entschieden Für Christus“ (EC), und vertritt offen homo- und trans*feindliche, sowie sexistische Positionen. Sie schreibt über sich selbst:

„Seelsorge, Therapie und Lebensstiländerungen, und die damit verbundene Lösung seelischer Konflikte, sowie die überwindung und Bewältigung von Lebenskrisen, geschieht in seelsorgerlich therapeutischen Gesprächen, in denen der Seelsorger den Ratsuchenden begleitet. Der Seelsorger weiß sich dabei unter der Führung des Heiligen Geistes.“ 7

In familialistischem Duktus inszeniert sich die Stiftung dabei auch offensiv gegen Gleichstellungspolitiken und Geschlechtergerechtigkeit und postuliert in einem als offener Brief an Angela Merkel adressierten Schreiben:

„Die liebevolle Partnerschaft von Mann und Frau stellt als biologisch wie biblisch begründete Lebensform die optimalen Bedingungen für Kinder bereit, um zu starken und verantwortungsvollen Persönlichkeiten zu wachsen und heranzureifen. Sie erleben und achten die Verschiedenheit der Geschlechter, deren gemeinsame Würde und einen konstruktiven Umgang miteinander.“ 8

Martin Drogat, nach eigenen Angaben Diplompädagoge und Theologe9, ist neben seinen Tätigkeiten für die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge und die Stiftung Therapeutische Seelsorge auch als Dozent an der evangelikalen „Hochschule“ Tabor am Marburger Ortenberg und Mitarbeiter der Liehrnhof-Akademie . Ebenfalls Dozent in Tabor ist Roland Werner10 , ehemaliges Aushängeschild und Gallionsfigur der „ExGay“-Bewegung und überzeugter Schwulenhasser. Werner ist Mitgründer und langjähriger Funktionär der Gruppe „Christus Treff“ in Marburg und Vorstand der „Evangelischen Allianz“11 . Der Christus Treff hat im vergangenen Jahr unter anderem dadurch für Aufsehen gesorgt, dass er sich als festes Bestandteil einer langfristigen Nutzung des Lokschuppens auf dem Waggonhallenareal auch gegen massiven Protest12 hat etablieren können. Es handelt sich, wie nicht zuletzt die Persona Werner zeigt, um eine gut vernetzte christlich-fundamentalistische Organisation, ohne jede Berührungsangst gegenüber dezidiert homofeindlichen und sexistischen Ideologien. Die Liste ist zu lang, um mit den hier aufgegriffenen Beispielen auch nur annähernd für vollständig erklärt zu werden.

Nicht nur in Marburg als Hochburg evangelikaler und christlich-fundamentalistischer Strukturen werden antifeministische und homophobe Positionen wieder selbstbewusst und öffentlich kundgetan, in ganz Hessen haben derlei menschenfeindliche Ideologien Konjunktur, wie ein Blick auf die kürzlich stattgefundene Männerrechtler-Tagung „Familienkonflikte gewaltfrei austragen“ in Frankfurt am Main13 zeigt.

Als Zeichen des Protests gegen die Veranstaltung der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge, und die grassierende gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit von religiös-fundamentalistischen Ideolog*innen finden in Marburg diverse Veranstaltungen statt.

Das Bündnis Kein Raum für Sexismus, Homophobie und Religiösen Fundamentalismus ruft am Freitag, den 27. April 2018 um 17 Uhr zur Demonstration auf. Treffpunkt ist der Vorplatz des Cineplexx Marburg14.

Am Mittwoch, den 25. April um 21:00 Uhr lädt das Bündnis Kein Raum für Sexismus, Homophobie und Religiösen Fundamentalismus zum Mobilisierungsabend und Infovortrag zur Vorbereitung auf die Demonstration in das Havanna Acht (Lahntor 8, 35037 Marburg)15.

Am Donnerstag, den 26. April lädt der AStA der Philipps-Universität zur Filmvorführung der Panorama-Dokumentation „Die Schwulenheiler“ mit Diskussion mit Christian Deker im Capitol Center und Infovortrag des Bündnisses Kein Raum für Sexismus, Homophobie und Religiösen Fundamentalismus vor Filmbeginn.

Am 7. Mai um 20 Uhr lädt das Autonome Schwulenreferat zum kritischen Vortrag „Das Erbe Sodoms. Gleichgeschlechtlicher Sex in christlicher Ethik“ im Hörsaalgebäude Biegenstraße, Raum +1/0030 mit Yannick Barnekow16.

  1. https://www.akademieps.de; Stand: 18. April 2018. [zurück]
  2. http://noplace.blogsport.de/2009/04/08/1-pressemitteilung/; Stand: 18. April 2018. [zurück]
  3. http://www.queer.de/detail.php?article_id=10250; Stand: 18. April 2018. [zurück]
  4. http://www.taz.de/!5164518/; Stand: 18. April 2018. [zurück]
  5. https://www.morgenpost.de/printarchiv/politik/article103222558/Es-gibt-keinen-Sex-wenn-Gott-schonschlaeft.html; Stand: 18. April 2018. [zurück]
  6. http://www.ekir.de/www/service/6433.php; Stand: 18. April 2018. [zurück]
  7. https://ssl-account.com/stiftung-ts.de/ts/seite.php?id=40; Stand: 18. April 2018. [zurück]
  8. https://ssl-account.com/stiftung-ts.de/ts/downloads/offener_brief_eheinitiativen.pdf; Stand: 18. April 2018. [zurück]
  9. https://ssl-account.com/stiftung-ts.de/ts/seite.php?id=10; Stand: 18. April 2018. [zurück]
  10. https://www.eh-tabor.de/de/werner; Stand: 18. April 2018. [zurück]
  11. http://www.ead.de/die-allianz/netzwerk/hauptvorstand/prof-dr-dr-roland-werner.html; Stand: 18. April 2018. [zurück]
  12. https://www.hessenschau.de/gesellschaft/marburger-stadtpolitik-streitet-ueber-papier-gegen-homo-heiler,christus-treff-marburg-antrag-linke-100.html; Stand: 18. April 2018. [zurück]
  13. https://www.heise.de/tp/features/Ein-bisschen-Unfrieden-4012758.html; Stand: 18. April 2018. [zurück]
  14. http://noplace.blogsport.de/2018/04/19/aufruf-gegen-die-jahrestagung-der-aps-vom-27-28-april-in-marburg/ [zurück]
  15. https://www.facebook.com/events/169327537029664/ [zurück]
  16. www.schwulenreferat-marburg.de/sommer18 [zurück]

Aufruf: Gegen die Jahrestagung der APS vom 27.-28. April in Marburg!

Demonstration am 27. April 2018
18 Uhr
Cineplexx Vorplatz Marburg

Die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) möchte am 27. und 28. April ihre Jahrestagung zum Thema “Vorbilder” im Haus Tabor in Marburg abhalten. Die APS ist innerhalb christlich-fundamentalistischer Kontexte stark vernetzt und hat hier offensichtlich keinerlei Berührungsängste. Uns ist klar: Wenn sich Evangelikale treffen1, kommen wir auch!

Neben dem 6. Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge 2009 hat die APS in den letzten Jahren schon mehrmals ihre Jahrestagung in Marburg abgehalten – weitestgehend ohne Gegenprotest, obwohl dort Personen aus dem christlich-fundamentalistischen Spektrum referierten, wie etwa über die Frage, wie das Heterosexuellwerden therapeutisch gefördert werden kann.

Dass offen homophobe Töne in den letzten Jahren leiser wurden, sehen wir nicht als emanzipatorische Entwicklung, sondern als taktische Vermeidung von gesellschaftlich tabuisierten Schlüsselwörtern. Die theologischen und theoretischen Bezüge sowie die Ausrichtung der APS sind noch immer die Gleichen, daher liegt der Schluss nahe, dass lediglich Reizworte oder -themen vermieden werden, um gesellschaftlich anschlussfähiger zu sein. Doch auch ohne offene Homophobie und Sexismus haben wir Kritik an dieser Veranstaltung, weswegen sich ein Blick auf die geladenen Referent*innen lohnt.

Am Freitagabend wird Dr. Michael Rhode aus Jena sprechen. Der Theologe für das Alte Testament und die Theodizee-Frage äußerte sich in einer Gesprächsrunde auf dem Kirchentag 2007 wie folgt: „Sex ist von Gott vorgesehen für einen Mann und eine Frau, die sich versprochen seien (…) Wenn eine Ehe scheitert, ist das eine Sünde. (…)2 Homosexualität ist eine Disposition, die ich mit dem Willen steuern kann.” Weiter sagt er: „Sex ohne Bindung zum Partner lässt sich nicht mit dem christlichen Glauben3 vereinbaren, (…) auch Sado-Maso-Sex ist eine Fehlform.”

Der Samstag beginnt mit einer Andacht der Theologin und Bibel-TV-Seelsorgerin Martina Kessler. Sie schrieb etwa in ihrer Masterarbeit 2008, nachdem sie Gender als gesellschaftliches Konstrukt durchaus sachlich darstellte, dass sie sich auf Luthers Aussagen zu Mann und Frau beziehe und Geschlecht als von Gott gegeben betrachtet, was sie direkt mit einem Zitat des Sexisten, Antisemiten, Arbeitsfetischisten und4 Despotenfreund Luthers belegt. Außerdem nahm sie 2013 an einer Gesprächsrunde des Evangeliums-Rundfunks aus Wetzlar teil – und war sich dabei nicht zu schade mit Hedwig von Beverfoerde, ihrerseits Organisatorin verschiedener sog. Demos für Alle5 zusammen über Gender-Mainstreaming zu diskutieren6.

Außerdem am Samstag sprechen werden Tobias Kunkler und Gisela Ana Cöppicus Lichtsteiner. Kunkler ist Erziehungswissenschaftler, Soziologe und Kollege des Alten Herren Karsten Jung der extrem rechten Burschenschaft Rheinfranken Marburg an der CVJM-Hochschule Kassel. Lichtsteiner ist Therapeutin aus Zürich und nahm bereits mindestens 2003 und 2006 an Jahrestagungen der APS in Marburg teil – und hat dabei offensichtlich keine Probleme mit Homoheilern aufzutreten, wie ein Blick in das vii jeweilige Programm verrät.

Wir kritisieren die homophoben und lustfeindlichen Aussagen Rhodes! Wir haben keine Lust auf das Geschlechterbild der Bibel-TV-Seelsorgerin Kessler! Und wir akzeptieren keinen religiösen Fundamentalismus in Marburg! Kommt deshalb am 27. April mit uns auf die
Straße und protestiert gegen diese reaktionäre und antifeministische Tagung!

Kein Raum für Sexismus und religiösen Fundamentalismus!

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  1. Wir sind uns bewusst, dass eine Kritik an religiösem Fundamentalismus über diese Veranstaltung hinaus passieren muss. Jedoch finden wir, dass eine solche Tagung nicht ohne Protest passieren sollte und sich genau dieser eignet, um eine längerfristige Kritik zu formulieren. Ob die Muslimbruderschaft mit ihrem Verein Orientbrücke e.V., der Christustreff oder die APS – religiös-fundamentale Strukturen gibt es in Marburg mehr als genug! [zurück]
  2. http://www.ekir.de/www/service/6433.php; Stand: 18. April 2018. [zurück]
  3. https://www.morgenpost.de/printarchiv/politik/article103222558/Es-gibt-keinen-Sex-wenn-Gott-schonschlaeft.html; Stand: 18. April 2018. [zurück]
  4. http://www.missiologie.org/mediapool/79/797956/data/Kessler-Macht_Macht_erotisch.pdf; Stand: 18. April 2018. [zurück]
  5. Der rechte rand Nummer 170 (jan/feb 2018); Stand: 18. April 2018. [zurück]
  6. https://www.akademieps.de/download/5342-Kongress2006-Programmheftteil.pdf; Stand: 18. April 2018. [zurück]

Offener Brief: In Marburg gilt immer noch: Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus

Plakat für Demonstration am 27.6.2017 um 16 Uhr

Der Christus-Treff (CT) ist Teil einer Bietergemeinschaft, die den alten Lokschuppen aufkaufen will. Wir protestieren stark dagegen, dass der CT noch mehr Räumlichkeiten für Jugendliche und Kinder in der Stadt Marburg bekommt, um sie zu „begeistern“ (missionieren)1. Der CT ist eine evangelikal-fundamentalistische Gemeinde, eine konservative Strömung innerhalb des Protestantismus, die durch ihre Bibeltreue, ihren Absolutheits- und Missionierungsanspruch gekennzeichnet ist. Teil dessen ist ein ultrakonservatives Geschlechterbild, Homo- und Trans*feindlichkeit und eine Positionierung gegen die freie Wahl beim Thema Schwangerschaftsabbruch. Diese Diskriminierungen kleidet der CT jedoch in offene und scheinbar tolerante Worte wie „Alle sind willkommen“ getreu dem klassischen Motto „Gott liebt den Sünder, aber hasst die Sünde“.

Bis vor Kurzem wurde der CT von Roland Werner geleitet, der angibt, seine eigene Homosexualität „überwunden“2 zu haben, Seminare zu dem Thema Veränderung der homosexuellen Orientierung angeboten hat3 und der „Ex-Gay-Bewegung“4 zuzuordnen ist. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG). Das Institut gehört zu der Offensive Junger Christen (OJC, mit welcher der CT eine enge Zusammenarbeit pflegt5). Bis 2017 wurde das Institut von Christl Ruth Vonholdt geleitet. Sie äußert sich über Homosexualität wie folgt: „Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, daß eine homosexuelle Neigung in einem komplizierten Entwicklungsprozeß erworben wird und daß frühkindliche emotionale Verwundungen, die zu einer Verunsicherung des Kindes in seiner geschlechtlichen Identität führen, eine entscheidende Rolle dabei spielen.“6. Sie plädiert für die Chance auf eine „heterosexuelle Weiterentwicklung“7. Auf der Homepage wird auch heute noch auf Lehrbücher von „Therapeuten“ verwiesen, bei sogenannter „ichdystoner Homosexualität“ „Reperativtherapien“ anbieten.8. Wie die neue Rechte spricht auch die DIJG von „Gender-Ideologie“ und „Gender-Agenda“9, Begriffe, die an die alten Bilder einer imaginierten schwul-lesbisch-feministischen Weltverschwörung erinnern.

Auch wenn der CT versucht, öffentlich möglichst wenig angreifbar zu sein; von Positionen wie der OJC oder dem DIJG, geschweige von Werner, wird sich nicht distanziert. Stattdessen wird Zusammenarbeit gepflegt. Geschichten von lesbischen Paaren, die auf offener Straße oder sogar an der Wohnungstür von Mitgliedern des CT angesprochen wurden, sind leider keine Einzelfälle. Der Druck, der ausgeübt wird, ist subtil – und stellt dadurch gerade für Jugendliche eine Gefahr in der Entwicklung ihrer Sexualität und Selbstbestimmung dar. Der CT ist jetzt schon sehr aktiv in der Arbeit mit Jugendlichen und bekommt dafür Gelder von der Stadt Marburg. Ihm gehören ein Büro am Steinweg, ein Jugendtreff auf dem Richtsberg, das Christhaus am Ortenberg und das Café Con:text in der Oberstadt. Damit ist der CT mehr als genug in der Stadt verbreitet. Wenn der religiöse Fundamentalismus sich nicht christlich-tolerant kleiden würde, wäre es nicht möglich, so viel in der Stadt missionieren zu dürfen. Wenn noch der Lokschuppen an den CT und Umfeld geht, werden auch weitere Arbeitsplätze in Marburg nur einem begrenzten Personenkreis zugänglich sein. Teile der Gemeinschaft kommen stets zuerst, und 2009 machte Werner deutlich, dass „Homosexuelle es bei uns in den Strukturen nicht weit bringen werden.“10

Während der öffentlichen Infoveranstaltung der Stadt Marburg wurde deutlich, dass bei einer Vergabe des Lokschuppens an die Bietergemeinschaft Schneider und CT die Gefahr besteht, dass Menschen dort aufgrund ihrer Sexualität und Geschlechtsidentität diskriminiert werden. Diese Gefahr erkennend hat Oberbürgermeister Thomas Spies eine Antidiskriminierungsklausel vorgeschlagen, die die „Gefahr von der Stadt Marburg abwenden soll, diskriminierendes Verhalten zu fördern“. Diese Klausel soll sich auf die Vergabe der Räume an Dritte beziehen. Auch wenn wir die Einschätzung teilen, dass durch die Vergabe von Räumlichkeiten durch den CT an Dritte diese Gefahr besteht, da der CT bereits in der Vergangenheit mit homo- und transfeindlichen Initiativen zusammengearbeitet hat11, finden wir den Vorschlag doch völlig unzureichend. Bereits mit einer Vergabe des Lokschuppens an den Christus Treff selbst besteht die Gefahr, dass es zu Diskriminierung gegenüber homosexuellen Menschen und Transpersonen kommt. Darüber hinaus wird diese Gefahr nicht durch eine Klausel gebannt, die lediglich die Stadt Marburg schadlos halten soll, jedoch nicht verhindert, dass der CT seine in der Vergangenheit erwiesene antiegalitäre Haltung gegenüber Homosexualität und Transidentität, in Handlungen umsetzt, die homosexuelle und transidente Menschen diskriminieren.

Wenn Diskriminierung nicht real ein Riegel vorgeschoben werden kann, darf der Lokschuppen nicht an die Bietergemeinschaft Schneider und CT vergeben werden! Das – und nicht die formale Einführung nur sehr eingeschränkt wirksamer Klauseln – ist die Konsequenz, die die Stadtverordnetenversammlung aus den dargelegten Argumenten ziehen muss.

Das Waggonhallengelände lebt davon, dass die kulturellen und sozialen Initiativen vor Ort einen gemeinsamen Austausch pflegen. Ob dies mit der Bietergemeinschaft Schneider und CT möglich ist, bezweifeln aber die Betreiber*innen und Aktiven der Waggonhallen-Initiativen stark. So war bislang kein Wille der Bietergemeinschaft erkennbar, in ein gemeinsames Gespräch mit allen Beteiligten auf dem Waggonhallengelände zu gehen, um über die Gestaltung dieses Orts und die jeweiligen Perspektiven der kulturellen und sozialen Initiativen zu sprechen. Damit die Marburger Waggonhallen weiterhin ein Ort sind, den alle Menschen unabhängig von ihrer jeweiligen Sexualität und Geschlechtsidentität real (und nicht nur auf dem Papier) nutzen und besuchen können, sollte der CT dort keine Räume nutzen dürfen oder gar überlassen bekommen.
Das Bündnis Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus

 

2 Bernd Wannenwetsch: Studie: Das „Natürliche“ und die „Moral“. Zur neueren Diskussion um die Homosexualität in der Kirche. In: Zeitschrift für evangelische Ethik (ZEE) 38 (1994), S. 168–189, 184

7 Ebd.

10 Augenzeugenbericht zu Roland Werner als „Mittwochsgast“ beim Collegium Philippinum

11 Als Beispiel sind hier die Offensive Junger Christen genannt sowie der Verein „Wüstenstrom“.

Autonomes FrauenLesbenReferat
Autonomes Schwulenreferat
Pro Choice Marburg
Michael Horstmann
Eva Chr. Gottschaldt
Radio Unerhört Marburg
Verein zur Förderung studentischen Wohnens (Bettenhaus)
AK Kritische Soziale Arbeit
Antifaschistischer Ratschlag
Studierendenparlament Marburg
FaRoFa (Fachschaft Roter Faden, aktive Fachschaft am FB 05)
Antifaschistische Gruppe 5
Black-Lotus-Sports e.V.
sds.dielinke Marburg
Antifaschistische Gruppe Merkava מרכבה
Rosa Liste
Falken Marburg
Linkes Leben Marburg
JuSos Marburg
Juso-HSG Marburg
AStA Marburg
DGB Jugend
Offenes Antifa Treffen
No Border Gruppe
ana*m
Waggonhalle Kulturzentrum

Bitte verbreitet diesen Brief weiter und meldet Euch bei uns, wenn ihr den Brief gerne unterzeichnen wollt.

Am Dienstag, den 27.Juni 2017 findet eine Demonstration statt.
Start ist um 16 Uhr am Blochmannplatz.
Kommt zahlreich und setzt ein Zeichen!

Hartmut Steeb kommt nach Marburg

Am Mittwoch, den 06.05.2015 wird Hartmut Steeb im Rahmen der Mittwochsreihe der Hochschul-smd zum Thema „Political Correctness – Verlieren wir unsere Meinungsfreiheit?“ sprechen. Geplant ist die Veranstaltung um 20 Uhr im Philippshaus (Universitätsstr. 30-32, Marburg). Erneut hat die Hochschul-smd einen Hauptvertreter der evangelikalen Szene eingeladen. Hartmut Steeb ist der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz. Er ist ebenfalls, wie auch Dr. Alexander Fink, dieser war Redner bei der Hochschul-smd im Januar 2014, Unterzeichner der Petition gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg.

Zuletzt war Steeb medial im Gespräch, als er in der Sendung „Menschen bei Maischberger“ im Februar 2014 seine homophoben Ansichten verbreitet und sein traditionelles Familienbild anprieß. Als Verfechter des „Lebenschutzes“ und entschiedener Abtreibungsgegner erhielt er im Juli 2014 den Preis der „Stiftung Ja zum Leben“. Bei dieser Stiftung handelt es sich um eine Organisation die in dem Dachverband „Bundesverband Lebensrecht“ organisiert ist und sich darüber aktiv am sogenannten Marsch für das Leben in Berlin beteiligt.

Nun scheint sein Ziel zu sein, im Jahr 2015 mit seinem Vortrag an verschiedenen Orten sein reaktionäres, homophobes und antifeministisches Weltbild verbreiten zu wollen. Die Nähe zu rechten Medien wie der Zeitung Junge Freiheit oder zu islamfeindlichen Internetseiten wie kath.net zeigt sich nun auch darin, dass der Vortragstitel deutlich macht, dass es bei dieser Veranstaltung nicht um religiöse Glaubensfragen geht, sondern hier eindeutig politische Positionen, die anschlussfähig zur extremen Rechten sind, vertreten werden. Hier wird deutlich, wie eng die Verknüpfung von fundamentalistisch-christlichen Gruppieren und deren Ansichten mit der extremen Rechten sind.
Wir lehnen diese Veranstaltung aufs schärfste ab!

Kein Raum für Sexismus, Homo& Transphobie und religiösen Fundamentalismus!

DEMO GEGEN DEN KONGRESS „SEXUALETHIK UND SEELSORGE“

Den gemeinsamen Redebeitrag mit dem Autonomen FrauenLesbenReferat von der Demonstration findet ihr hier.

23. Mai 2014 in Kassel

KEIN RAUM FÜR SEXISMUS, HOMOPHOBIE UND

RELIGIÖSEN FUNDAMENTALISMUS!

In Kassel findet Ende Mai ein Kongress zum Thema Sexualethik und Seelsorge statt. Organisiert wird das Ganze vom Weißen Kreuz. Dieses vertritt eine stark konservativ-christliche Sexualmoral und sieht Homosexualität und Pädophilie gleichgestellt nebeneinander.

Als Referent_innen sind u.a. die Leiterin des Instituts für Jugend und Gesellschaft (DIJG), eine Ex-Gay-Dachorganisation, Christl Ruth Vonholdt sowie Markus Hoffmann, Leiter der umstrittenen Organisation Wüstenstrom eingeladen. Diese ist eine psychologische Beratungsorganisation, deren Hauptaufgabe die ‚Heilung‘ von Homosexualität zu sein scheint. Markus Hoffmann schreibt in der Idea Spektrum (2006): „Nach unserer Ansicht beurteilt der biblische Befund gelebte Homosexualität eindeutig als Sünde.“ Unter dem Deckmantel der Wissenschaft verbreiten die zahlreichen Referent_innen ein konservatives Bild von der heterosexuellen Ehe als einziges Lebensmodell und stigmatisieren Homosexualität als krankhaft und nicht erwünscht.

Um den Kongress nicht kommentarlos vorübergehen zu lassen, hat sich ein Bündnis aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen wie dem CSD Kassel, Parteien und Hochschulreferaten gegründet.

Wir finden es wichtig, eine linksradikale Perspektive mit einzubringen und rufen deshalb dazu auf, am 23. Mai gemeinsam nach Kassel zu fahren. Uns geht es nicht nur darum, besorgt auf die Homohasser_innen zu blicken, sondern vielmehr darum, das rechtskonservative Weltbild und den gesellschaftlichen Einfluss evangelikaler Strukturen aufzuzeigen und dem etwas entgegenzusetzen.

Für sexuelle Selbstbestimmung! Fundis wegboxen!

Demo: Freitag, 23. Mai 2014 // 16 Uhr // Hauptbahnhof-Vorplatz Kassel

Treffpunkt in Marburg: Zugabfahrt 14.20 Uhr // Hauptbahnhof Marburg

Wer die Fundis direkt ärgern möchte:

Kundgebung direkt vor dem Tagungsgebäude (Leuschtnerstraße 72b)

Samstag, 24. Mai 2014 // 14-16 Uhr

via AFLR Marburg

Gegen fundamentalistische Glaubensveranstaltungen in der Universität

Am Mittwoch, den 29.1.2014 soll in der Marburger Universität wieder einmal eine christlich-evangelikale Glaubensveranstaltung stattfinden. Die SMD (Studenten Mission Deutschland) Marburg läd ein zu einer Veranstaltung: „Akademikerinnen und Akademiker sprechen über die Vereinbarkeit ihrer Forschungsarbeit mit dem persönlichen Glauben“. An der Formulierung wird deutlich: Es handelt sich nicht um eine wissenschaftliche Veranstaltung, eine Außeinandersetzung zum Thema Glauben und Wissenschaft, sondern um die Vereinbarung der Forschung mit dem eigenen Glauben – eine Nichtvereinbarkeit steht nicht zur Debatte. Wir kritisieren, dass die Universität den Raum gibt für Veranstaltungen dieser Art. Die SMD ist eine fundamentalistische Vereinigung, deutlich zeigt sich das auch dadurch, dass ein Redner, Dr. Alexander Fink aus der Physik die aktuelle LGBT-feindliche Petition gegen den Bildungsplan in Baden-Würtemberg unterschrieben hat. Damit wird einmal mehr deutlich, wie eng die Verknüpfungen von fundamentalistischen christlichen Gruppierungen und LGBT-Feindlichkeit ist.
Wir lehnen diese Veranstaltung aufs schärfste ab!
Kein Raum für Sexismus, Homo& Transphobie und religiösen Fundamentalismus!

Eine Linksammlung zur Petition findet ihr bei Karnele.

Außerdem schreibt das AFLR Marburg über einen heterosexistischen Angriff auf ihr Referat, der im Kontext der aktuell LGBT-feindlichen Präsenz steht.

Willkommen

Willkommen auf der Internetpräsenz des Bündnisses „Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religösen Fundamentalismus“, welches sich kritisch mit dem Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge der gleichnamigen Akademie auseinandersetzt.

Neuauflage des Readers zu den Protesten erschienen

zum download bei uploaded.net
zum online lesen bei calameo
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Kongress in Würzburg

Seit gestern, dem 8.Mai, findet in Würzburg der evangelikale Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge statt. Dieser Kongress setzt sich zum Ziel, christliche Seelsorge und Psychotherapie zu verbinden. Dabei spielen evangelikale Werte eine große Rolle, die Vorstellung von Ehe zwischen Mann und Frau sowie traditionelle Vorstellungen von Familie prägen dieses Bild, vor dessen Hintergrund Menschen therapiert werden sollen. Homosexualität als Sünde, Abtreibung als Mord, traditionelle Geschlechterrollen als Gottes Gesetz – Evangelikale sind leider kein Randphänomen sondern greifen oft ungehindert und unkommentiert in das Leben vieler Personen ein, die nicht diesen Normen nach ihr Leben leben wollen.
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Offenen Brief unterzeichnen!

Offener Brief gegen die Unterstützung fundamentalistischer Abtreibungsgegner durch die CDU/CSU

Am 18. September 2010 fand in Berlin der „Marsch für das Leben“ statt, der vom „Bundesverband Lebensrecht“ organisiert wurde. Bei dieser Demonstration wurden verschiedene Grußworte von prominenten Mitgliedern der CDU und CSU verlesen, unter anderem von Annette Schavan (Bundesministerin für Bildung und Forschung), Karl-Theodor zu Guttenberg (Bundesverteidigungsminister), Volker Kauder (Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion), Wolfgang Bosbach (Innenausschuss-Vorsitzender des Deutschen Bundestages), Peter Müller (Ministerpräsident des Saarlands), Martin Kastler (CSU-Europaabgeordneter), Johannes Singhammer (CSU-Abgeordneter), Philipp Mißfelder (Vorsitzender der Jungen Union). [mehr]

Verfolgungswahn rechtskonservativer Christen

Die evangelikale Bewegung in Marburg geht mit ihrer Hetze gegen den berechtigten Protest gegen homophobe und sexistische Diskurse und Aktionen durch religiöse Fundamentalist_innen in die zweite Runde. Um von ihren eigenen menschenverachtenden Diskursen abzulenken, die sich oftmals in handfeste politische Einflussnahme sogar auf Bundesebene manifestieren (Verhinderung, dass Homosexuelle heiraten können und Frauen legal abtreiben, die staatliche Protektionierung des Lebensgemeinschaftsmodells der patriarchalen Kleinfamilie u.s.w.), verdrehen sie nun einfach die Täter-Opferrolle und sehen sich als die Verfolgten an. (mehr…)